Laktase im Proteinpulver: sinnvoll oder nur Marketing?
Laktase findet sich seit Jahren in manchen Proteinpulvern – vor allem bei Whey-Konzentrat oder Mehrkomponentenproteinen. Meist steht dann auf dem Etikett „mit zugesetzter Laktase“ oder „besser verträglich“. Die Botschaft dahinter ist klar: Dieses Protein soll magenfreundlicher sein. Aber stimmt das? Und für wen ist Laktase im Shake wirklich sinnvoll – und für wen eher überflüssig?
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Laktase überhaupt?
- Warum ist Laktase in Proteinpulvern enthalten?
- Wie viel Laktose steckt im Whey wirklich?
- Macht Laktase ein Proteinpulver generell besser verträglich?
- Für wen ist Laktase im Protein sinnvoll?
- Ist das also nur Marketing?
- Warum viele Sportler glauben, sie vertragen Whey nicht
- Fazit: Braucht man Laktase im Proteinpulver?
Was ist Laktase überhaupt?
Laktase ist ein Enzym. Es wird im Dünndarm gebildet und hat eine einzige Aufgabe: Es spaltet Laktose (Milchzucker) in Glukose und Galaktose. Erst in dieser Form kann der Körper den Zucker aufnehmen.
Bei vielen Erwachsenen nimmt die körpereigene Laktaseproduktion im Laufe der Zeit ab. Das ist kein „Defekt“, sondern biologisch normal. Je nach genetischer Veranlagung ist dieser Rückgang stärker oder schwächer ausgeprägt.
Fehlt Laktase, gelangt ungespaltene Laktose in den Dickdarm. Dort wird sie von Bakterien vergoren – mögliche Folgen sind Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall.
Warum ist Laktase in Proteinpulvern enthalten?
Die Antwort ist einfach: Weil manche Proteinpulver Laktose enthalten.
Vor allem Whey-Konzentrat enthält – je nach Herstellungsverfahren – noch relevante Mengen an Milchzucker. Whey-Isolat dagegen ist meist sehr laktosearm. Clear Whey basiert in der Regel ebenfalls auf Isolat und enthält entsprechend wenig Laktose.
Hersteller setzen Laktase zu, um:
- die Verträglichkeit zu verbessern
- das Produkt für Menschen mit leichter Laktoseintoleranz nutzbar zu machen
- das Pulver als „bekömmlicher“ zu positionieren
Das ist grundsätzlich legitim. Entscheidend ist nur: Für wen bringt es tatsächlich etwas?
Wie viel Laktose steckt im Whey wirklich?
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf das Nährwertfeld – und nicht nur auf die Vorderseite der Verpackung.
Whey-Konzentrat kann – je nach Reinheitsgrad – mehrere Gramm Laktose pro 100 g enthalten. In einer typischen 30-g-Portion sind das meist Mengen, die für gesunde Menschen unproblematisch sind.
Praxis-Tipp: Wenn dem Produkt kein Zucker zugesetzt wurde, kannst du den Laktosegehalt ziemlich gut am ausgewiesenen Zuckerwert ablesen. Milchzucker zählt ernährungsphysiologisch als Zucker. Stehen also z. B. 4–5 g Zucker pro 100 g auf dem Etikett und es wurde kein zusätzlicher Zucker verwendet, stammt dieser Wert in der Regel überwiegend aus Laktose.
Whey-Isolat enthält dagegen meist nur noch sehr geringe Zuckerwerte – oft unter 1 g pro 100 g. Wer empfindlich auf Laktose reagiert, fährt mit einem guten Isolat daher meist sicherer als mit einem Konzentrat plus zugesetzter Laktase.
Macht Laktase ein Proteinpulver generell besser verträglich?
Nein.
Laktase wirkt ausschließlich auf Laktose. Nicht auf Süßstoffe. Nicht auf Zuckeralkohole. Nicht auf Emulgatoren. Und auch nicht auf sehr große Trinkmengen.
Viele Sportler schreiben Verdauungsprobleme automatisch der „Laktose“ zu. In der Praxis spielen aber oft andere Faktoren eine Rolle:
- sehr große Shake-Portionen
- schnelles Trinken
- Kombination mit Süßstoffen
- hohe Eiweißmengen auf nüchternen Magen
- insgesamt empfindliche Verdauung
Wenn Laktose nicht die Ursache ist, bringt Laktase im Pulver keinen Vorteil.
Für wen ist Laktase im Protein sinnvoll?
Man kann grob drei Gruppen unterscheiden.
1. Normale Laktoseverträglichkeit
Hier bringt zugesetzte Laktase praktisch keinen Mehrwert. Der Körper produziert selbst ausreichend Enzym.
2. Leichte Laktoseintoleranz
Hier kann Laktase sinnvoll sein – besonders bei Whey-Konzentrat. Ob die zugesetzte Menge ausreicht, hängt allerdings von der individuellen Empfindlichkeit und der Dosierung im Produkt ab. Diese wird nicht immer transparent kommuniziert.
3. Deutliche Laktoseintoleranz
In diesem Fall ist Whey-Isolat oder ein veganes Protein meist die einfachere Lösung. Statt ein Produkt „nachzurüsten“, wählt man direkt eine nahezu laktosefreie Variante.
Ist das also nur Marketing?
Nicht unbedingt – aber es wird häufig breiter dargestellt, als es ist.
Laktase ist kein Qualitätsmerkmal für ein Proteinpulver. Sie verbessert nicht die Aminosäurebilanz, erhöht nicht den Proteingehalt und beschleunigt keinen Muskelaufbau.
Sie erfüllt eine sehr spezifische Funktion: Sie hilft beim Abbau von Laktose.
Für die passende Zielgruppe ist das sinnvoll. Für alle anderen ist es eher ein Zusatzfeature ohne echte Relevanz.
Warum viele Sportler glauben, sie vertragen Whey nicht
Ein Punkt, der im Supplement-Bereich selten ehrlich angesprochen wird: Wer lange sehr eiweißreich isst, große Shakes trinkt oder mehrere Portionen täglich konsumiert, belastet sein Verdauungssystem unabhängig von der Laktose.
Manchmal ist nicht der Milchzucker das Problem, sondern:
- die Gesamtmenge
- die Kombination mit anderen Lebensmitteln
- künstliche Süßstoffe
- sehr hohe Proteindosen auf einmal
Bevor man also automatisch zur „Laktase-Variante“ greift, lohnt es sich, Portionsgröße und Produktwahl insgesamt zu prüfen.
Fazit: Braucht man Laktase im Proteinpulver?
Für die meisten Sportler: nein.
Für Menschen mit leichter Laktoseintoleranz: möglicherweise hilfreich. Für stark Betroffene sind Isolat oder vegane Alternativen meist die sauberere Lösung.
Laktase ist kein Wundermittel und kein Qualitätsbeweis. Sie ist ein funktionales Enzym mit klar begrenztem Einsatzbereich.
Und wie so oft im Supplement-Bereich gilt: Nicht jedes Extra auf dem Etikett bedeutet automatisch einen echten Mehrwert.
Reicht die zugesetzte Laktase im Proteinpulver wirklich aus?
Das hängt von zwei Faktoren ab: der enthaltenen Laktosemenge und deiner individuellen Empfindlichkeit. Viele Hersteller geben Laktase zu, veröffentlichen aber nicht die genaue Enzymaktivität (z. B. in FCC-Einheiten). Bei leichter Laktoseintoleranz kann das ausreichen. Bei stärkerer Intoleranz ist ein Whey-Isolat oder ein veganes Protein meist die zuverlässigere Lösung.
Kann ich den Laktosegehalt eines Proteinpulvers am Zuckerwert erkennen?
Ja – zumindest grob. Wenn dem Produkt kein Zucker zugesetzt wurde, stammt der ausgewiesene Zuckerwert in der Regel überwiegend aus Laktose. Stehen z. B. 4–5 g Zucker pro 100 g auf dem Etikett und es wurde kein zusätzlicher Zucker verwendet, kannst du davon ausgehen, dass dieser Wert größtenteils Milchzucker ist. Sehr niedrige Zuckerwerte deuten entsprechend auf eine geringe Laktosemenge hin.
Ist Whey-Isolat automatisch laktosefrei?
Nicht zwingend laktosefrei, aber meist sehr laktosearm. Hochwertige Isolate enthalten oft weniger als 1 g Zucker pro 100 g. Für viele Menschen mit leichter Laktoseintoleranz reicht das bereits aus, ohne dass zusätzliche Laktase notwendig ist.
Warum bekomme ich trotz Laktase im Shake Verdauungsprobleme?
Laktase wirkt ausschließlich auf Laktose. Wenn deine Beschwerden durch Süßstoffe, große Trinkmengen, sehr hohe Proteindosen oder eine insgesamt empfindliche Verdauung entstehen, wird zugesetzte Laktase nichts ändern. In solchen Fällen lohnt es sich, Portionsgröße, Produktwahl oder Süßstoffzusammensetzung zu prüfen.
Ist Laktase ein Qualitätsmerkmal für Proteinpulver?
Nein. Laktase verbessert weder die Proteinqualität noch den Muskelaufbau. Sie ist lediglich ein funktionales Enzym zur Spaltung von Milchzucker. Für Menschen mit entsprechender Empfindlichkeit kann sie sinnvoll sein – für alle anderen ist sie kein entscheidender Qualitätsfaktor.
Sollte ich lieber Whey-Isolat statt Konzentrat wählen?
Das hängt in erster Linie von deiner Verträglichkeit ab. Wenn du Laktose problemlos verträgst, spricht aus ernährungsphysiologischer Sicht wenig gegen ein gutes Whey-Konzentrat. Es liefert hochwertiges Protein und ist oft günstiger.
Reagierst du jedoch empfindlich auf Laktose oder hattest in der Vergangenheit Verdauungsprobleme mit Whey, ist ein Whey-Isolat meist die einfachere und sicherere Wahl. Es enthält in der Regel deutlich weniger Laktose und kommt oft ohne zugesetzte Laktase aus.
Ein Wechsel auf Isolat ist also kein Muss – aber bei entsprechender Empfindlichkeit oft die pragmatischere Lösung.
Redaktioneller Hinweis: Unsere Texte werden von erfahrenen Redakteuren mit echten Erfahrungen verfasst – kein Copy-Paste. Wir haben am zum ersten mal über »Laktase im Proteinpulver: sinnvoll oder nur Marketing?« berichtet und den Artikel inhaltlich zuletzt am 24. Februar 2026 überarbeitet.
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